Habe ich ADHS? Anzeichen bei Erwachsenen und was du vor dem Termin tun kannst
Ob du ADHS hast, kann nur eine Fachperson klären. Typische Anzeichen bei Erwachsenen, der ASRS-Fragebogen auf Deutsch und was du zum Termin mitbringst.
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Das lässt sich weder allein noch mit einem Online-Test klären. Ob ADHS vorliegt oder nicht, entscheidet eine fachlich qualifizierte Person aus dem Gesundheitsbereich, etwa aus Psychiatrie, Neurologie oder Psychologie, nach einem ausführlichen Gespräch über deine Lebensgeschichte, möglichst mit Berichten von Menschen, die dich in der Kindheit erlebt haben. Was du selbst tun kannst, ist dich auf diesen Termin vorbereiten: die häufigsten Anzeichen bei Erwachsenen kennenlernen, den Selbstbericht-Fragebogen ASRS ausfüllen, der öffentlich zugänglich ist und mit der Weltgesundheitsorganisation entwickelt wurde, und konkrete Beispiele aus deinem Alltag aufschreiben. Diese Seite zeigt diesen Weg, ohne Punktzahl und ohne Ergebnis: Hier sagt dir niemand, ob du ADHS hast oder nicht.
Wenn du ADHS vermutest oder Medikamente einnimmst, sprich mit einer Fachperson aus dem Gesundheitsbereich.
Welche Anzeichen von ADHS gibt es bei Erwachsenen?
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) wird meist in zwei großen Gruppen von Anzeichen beschrieben. Bei Erwachsenen zeigen sie sich anders als bei Kindern: Die Hyperaktivität kann zum Beispiel zu einer inneren Unruhe werden.
Anzeichen rund um Aufmerksamkeit und Organisation:
- Häufig Dinge verlieren oder vergessen (Schlüssel, Handy, Unterlagen).
- Termine und Fristen vergessen, auch wichtige.
- Schwierigkeit, bei langen, eintönigen oder langweiligen Aufgaben aufmerksam zu bleiben.
- Vieles anfangen, wenig beenden.
- Aufgaben aufschieben, die viel geistige Anstrengung kosten.
- Sich von Geräuschen, Gedanken oder allem Möglichen in der Umgebung ablenken lassen.
Anzeichen rund um Unruhe und Impulsivität:
- Gefühl, „unter Strom" zu stehen, Mühe, in der Freizeit abzuschalten.
- Mit Händen und Füßen zappeln, in Besprechungen oder Vorlesungen oft aufstehen.
- Viel reden, unterbrechen, die Sätze anderer beenden.
- Spontane Entscheidungen oder Käufe.
Alle kennen manche dieser Anzeichen ab und zu. Was Fachleute prüfen, ist weit mehr als die Liste.
Was beachten Fachleute außer den Anzeichen?
Im Allgemeinen wird geprüft, ob die Anzeichen:
- seit der Kindheit bestehen (und nicht erst seit ein paar Monaten);
- in mehr als einem Lebensbereich auftreten (Beruf, Studium, Zuhause, Beziehungen);
- echte Beeinträchtigung im Alltag verursachen;
- nicht besser durch etwas anderes erklärt werden, etwa Angst, Niedergeschlagenheit, Schlafmangel, starken Stress oder andere gesundheitliche Probleme.
Der letzte Punkt ist wichtig: Viele Situationen können ADHS-Anzeichen nachahmen. Deshalb ist die Einschätzung durch eine Fachperson unverzichtbar, und deshalb taugen Quiz im Netz nicht für Schlussfolgerungen.
Was ist der ASRS-Fragebogen?
Der ASRS (englisch Adult ADHD Self-Report Scale, Version 1.1) ist eine Selbstbeurteilungsskala für Erwachsene. Er wurde mit der Weltgesundheitsorganisation von Forschenden mit Verbindung zu Harvard und zur New York University entwickelt. Die Symptomcheckliste hat 18 Fragen dazu, wie oft bestimmte Alltagssituationen vorkommen, aufgeteilt in Teil A (6 Fragen) und Teil B (12 Fragen). Das Ausfüllen dauert etwa 5 Minuten, und die Fragen beziehen sich auf die letzten 6 Monate.
Die deutsche Fassung ist im Auftrag der WHO übersetzt worden. Die Rechte liegen bei der New York University und Ronald C. Kessler; zum Ansehen und Ausdrucken für die persönliche Nutzung steht sie hier bereit:
ASRS-v1.1, Symptomcheckliste mit Selbstbericht-Skala für Erwachsene (deutsche Fassung) https://adhdinadults.com/wp-content/uploads/2024/02/18Q_German_final.pdf (geprüft am 15.10.2026)
Auf dem Bogen selbst steht, dass du die ausgefüllte Checkliste der Fachperson zur Besprechung beim Termin geben sollst. Genau so ist er gedacht: in Ruhe ausfüllen und zum Termin mitbringen, damit die Fachperson ihn zusammen mit deiner Geschichte einordnet. Allein bestätigt er nichts. Der Bogen darf nicht verändert werden, und die Urheberrechtshinweise müssen sichtbar bleiben.
Was bringst du zum Termin mit?
Vorbereitet zu kommen hilft sehr, vor allem weil man im Gespräch oft vergisst, was man sagen wollte. Eine praktische Liste:
- Den ausgefüllten ASRS, ausgedruckt oder auf dem Handy.
- Konkrete, aktuelle Beispiele. „Letzte Woche habe ich zwei Besprechungen vergessen", „ich habe die Rechnung drei Monate in Folge nicht bezahlt". Beispiele zählen mehr als „ich bin sehr zerstreut".
- Seit wann. Erinnerungen an die Schule: Zeugnisse mit Bemerkungen, Hinweise von Lehrkräften, Spitznamen, die du gehört hast.
- Die Sicht einer anderen Person. Eltern, Geschwister oder jemand, der dich als Kind erlebt hat, kann berichten, was er beobachtet hat. Kann die Person nicht mitkommen, bitte sie, es aufzuschreiben.
- Wo es stört. Beruf, Studium, Geld, Beziehungen, Straßenverkehr, Schlaf.
- Andere Gesundheitsthemen und alles, was du einnimmst (Medikamente, Nahrungsergänzung, andere Substanzen), damit die Fachperson das ganze Bild hat.
- Deine Fragen. Schreib sie vorher auf: was du verstehen willst, was dich beschäftigt.
Wo findest du eine Abklärung?
- Über die Hausarztpraxis: Das ist oft der erste Schritt. Die Hausärztin oder der Hausarzt hört zu und überweist bei Bedarf weiter. Bei der Terminsuche hilft der Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Nummer 116117.
- Fachärztlich: Praxen für Psychiatrie oder Neurologie. Psychologinnen und Psychologen können mit Gesprächen und Testverfahren an der Einschätzung beteiligt sein.
- Spezialsprechstunden an Universitätskliniken: Manche Kliniken haben Ambulanzen für ADHS im Erwachsenenalter, oft mit längeren Wartezeiten.
- Selbsthilfe: Der Verband ADHS Deutschland e. V. bietet Informationen und Kontakte zu Selbsthilfegruppen.
Vorsicht bei Tests und Videos im Netz
Tests mit Punktzahl auf Webseiten und Listen wie „10 Anzeichen, dass du ADHS hast" in sozialen Netzwerken können verwirren. Eine Studie von 2022, die die 100 meistgesehenen TikTok-Videos zu ADHS untersuchte, stufte rund die Hälfte davon als irreführend ein. Nutze das Netz, um dich zu informieren und vorzubereiten, nicht um Schlüsse zu ziehen. Für ein besseres Verständnis der Alltagsschwierigkeiten, die oft auftreten, lies Exekutive Funktionen: Beispiele, ADHS und wie du sie stützt und Prokrastination und ADHS: Was ist der Unterschied?.
Und solange der Termin auf sich warten lässt?
Das Warten kann lang sein. Bis dahin helfen praktische Strategien jedem, dem Anfangen, Erinnern und Dranbleiben schwerfällt, mit oder ohne ADHS:
- Erinnerungen zur richtigen Uhrzeit, statt dem Gedächtnis zu vertrauen.
- Aufgaben in sehr kleine Schritte zerlegen.
- Kurzer Timer, um das Blockierte zu beginnen.
- Eine Routine mit wenigen festen Zeiten (siehe ADHS Routine für Erwachsene: So baust du sie auf).
- Weniger Schuldgefühle, mehr Feiern dessen, was geschafft wurde.
Häufige Fragen
Gibt es einen Online-Test, der sagt, ob ich ADHS habe?
Nein. Kein Online-Test bestätigt ADHS. Fragebögen wie der ASRS helfen, zu sortieren, was du empfindest, und mit der Fachperson ins Gespräch zu kommen, aber beurteilen kann das nur eine Fachperson aus dem Gesundheitsbereich.
Wer kann ADHS bei Erwachsenen abklären?
Fachlich qualifizierte Personen aus dem Gesundheitsbereich, etwa aus Psychiatrie oder Neurologie, oft zusammen mit Psychologinnen und Psychologen.
Kann ADHS erst im Erwachsenenalter auftreten?
Nach den heute genutzten Kriterien beginnen die Anzeichen in der Kindheit, auch wenn sie erst später auffallen oder Probleme machen, wenn die Verantwortung wächst.
Wo finde ich den offiziellen ASRS auf Deutsch?
Die deutsche Fassung der ASRS-v1.1-Symptomcheckliste mit 18 Fragen steht hier als PDF: adhdinadults.com/wp-content/uploads/2024/02/18Q_German_final.pdf. Ausfüllen und zum Termin mitbringen.
Ein Schritt heute
Öffne den ASRS, fülle ihn in Ruhe aus und schreib dir drei konkrete Beispiele aus deiner Woche auf. Bewahre alles an einem Ort auf, um es zum Termin mitzunehmen.